Die Hundis schlafen

Die Hundis schlafen

So ist es schon November, seit dem 12. September sind inzwischen sieben Wochen vergangen, der Dezember rückt damit näher. Unsere Wohnungssuche war bisher nicht erfolgreich, bestimmt 90% der Wohnungsangebote haben den Vermerk Keine Haustiere. Dunas Verdauungsprobleme bleiben rätselhaft. Am letzten Sonntagmorgen alles bestens, am Mittag nach der Hundeschule wieder nicht. Es könnte Stress sein, Futter fällt aus, weil wir nichts geändert haben.

Duna hat für das Thema Bett einen Kompromiss ausgearbeitet. Wenn ich aufwache, kommt sie noch für eine kurze Zeit ins Bett, kuschelt sich an mich und wir stehen dann etwas später auf, gehen vor die Tür und machen dann Frühstück. Duna möchte gerne feste Abläufe und Zeiten, geht lieber bekannte Wege.

Am Donnerstag geht es zum Probetermin in die neue HuTa. Ich war am Schluss mit den Verhältnissen bei Simone nicht mehr so ganz zufrieden. Außerdem hatte Duna nach den Aufenthalten dort regelmäßig wieder Durchfall, warum auch immer. Die neue HuTa ist gleich gegenüber dem Porta hier in Laatzen, also in Fußreichweite. Wir waren zufällig auf einer längeren Mittagsrunde daran vorbei gekommen. Dazu muss Duna noch eine Impfung gegen Zwingerhusten bekommen, was heute Abend bei Frau Tierärztin geschehen wird. Dann warten wir mal ab, wie die Sache weiter geht. Sie geht dann nur noch an zwei Tagen in die HuTa, hier im Büro hat Duna sich so gut eingewöhnt, dass es absolut problemlos ist, sie mit zu nehmen.

Was will mir das sagen?

Tiefenentspannt

Tiefenentspannt

Man kann einem Hund predigen, was man will. Er macht es nicht. Die erste Antwort, wie sie auch in jedem Hundebuch steht, wäre die, dass Hunde eben nicht die menschliche Sprache verstehen. Warum sage ich dann mehr beiläufig „Wir gehen gleich mal unten, Duna.“ und Duna geht zur Tür und sieht mich an. Gestern Abend hat sie die Rolle mit Toilettenpapier von der Fensterbank geholt und saß damit im Wohnzimmer. Nach meinem Kommentar „Kannst Du das mal sein lassen?“ ließ sie die Rolle liegen und wandte sich wieder ihren Stofftieren zu. Jetzt steht die Rolle auf dem Absatz über der Toilette, obwohl ich nicht sicher bin, ob sie da bleibt. Am Abend, als wir noch einmal nach draußen wollten, blieb sie auf dem obersten Treppenabsatz sitzen und setzte einen Gesichtsausdruck auf, den man als ernst und bedeutungsschwer interpretieren könnte. Ich verstand die Bedeutung dieses Ausdruckes sehr gut: „Ohne ein Leckerli gehe ich keinen Schritt weiter. Vergiss es. Never ever.“ Ein kleines Leckerli und sie lief beschwingt die Treppe herunter.

Ich bin mittlerweile der Meinung, dass Duna verdammt viel von dem versteht, was ich sage. Und umgekehrt. Es sind nicht die lexikalischen Inhalte, sondern die Bedeutung übermittelt sich über den Klang und das Timbre. Die Kommunikation zwischen Mensch und Hund, im Gegensatz zu Mensch und Katze, ist wesentlich weitläufiger als man denkt. Die Kommunikation mit einem Hund kann sehr ausgeprägt verlaufen, in beide Richtungen. Gerade Duna, mit ihrem ausgesprochen vielfältigem Repertoire an Mimik ist dafür ein Musterbeispiel. Der Blick kann mal traurig und mal lustig sein, vorwurfsvoll oder bockig, enttäuscht oder ernst. So langsam beginne ich zu verstehen, warum der Hund als der beste Freund des Menschen gilt. Hunde lügen nicht. Bei Katzen bin ich mir da nicht so sicher.

 

Das Bäuchlein ist wieder in Ordnung, mein Tierarzt in Paderborn-Elsen hat uns noch eine Paste mitgegeben. Es sind wohl die bisherigen Leckerlis, die Dunas Darm aus dem Tritt bringen. Also holen wir jetzt mal etwas von Bosch, die hat sie bisher gut vertragen.

Den Montag verbringen wir in Paderborn, umrunden den Lippesee, bummeln durch die Stadt, besuchen alte Kollegen. Die Besichtigung der Wohnung erledigt sich, weil der Vermieter sie schon an einen Nachbarn gegeben hat. So haben wir wenigstens mal einen Tag Auszeit gehabt.

Duna am Paderborner Dom

Duna am Paderborner Dom

Duna testet die Pader

Duna testet die Pader

Duna am Neptunbrunnen

Duna am Neptunbrunnen

Duna bei OSRAM Paderborn

Duna bei OSRAM Paderborn

Duna als leuchtendes Beispiel

Duna als leuchtendes Beispiel

Heute waren wir zum ersten Mal in Kathies Hundeschule. Im Vergleich zu dem, was einige andere Hunde so aufführten, war Duna dagegen quasi die Ruhe selbst. Zwar ist noch viel zu tun und viel zu lernen, aber in den Übungen Rückruf und Leinenführung sieht die Sache schon sehr viel besser aus als noch vor zwei Wochen. Am heutigen Nachmittag, wir waren eigentlich schon draußen gewesen, stand Duna dann jaulend im Wohnzimmer. Meine Interpretation war richtig, sie wollte raus, weil sie wieder Durchfall hat. Deshalb gab es danach schnell ein Dia Tab, eine Kautablette gegen „Resorbtionsstörungen des Darmes“. Morgen haben wir schließlich einen Termin zur Wohnungsbesichtigung in Bad Lippspringe, da wäre Durchfall nicht gerade hilfreich. Heute Morgen hatte ich dann gleich nach dem Aufwachen, ich bin noch auf Sommerzeit, einen Hund in meinem Bett liegen, der sich vor meinem Bauch ankuschelte. Hilft aber nichts, lasse ich das zu, ist der Hund demnächst wieder ständig im Bett, was sie eigentlich gelernt hat nicht zu tun. Nicht aus hygienischen oder prinzipiellen Gründen, sondern weil sie mit ihren Krallen die Bettücher zerstört.

Gestern, nach dem Regen, eine Runde um die Aschauteiche, für Duna das erste Mal in dieser Gegend. Leider eine ziemliche Schlammschlacht, aber Duna hätte auch den größten Teil der Strecke ohne Leine laufen können. Wenn sie nicht gerade wieder ein Mauseloch oder einen Kaninchenbau untersuchte, kam sie auf Rückruf ziemlich zuverlässig zurück. Das wird also alles so langsam.

Wir müssen noch beide lernen

Duna und ihr Stoffigel

Duna und ihr Stoffigel

Eine meiner Lernkurven ist die Notwendigkeit, einen Hund auch mal eindeutig und unmissverständlich zur Ordnung zu rufen. Sei es bei ihren angestarteten Sprints zu anderen Hunden oder jungen Damen, das Fressen von Pferdeäppeln oder das Zurückstürmen, wenn ihr gerade da hinten noch etwas aufgefallen war. Es fällt in diesen Fällen nicht leicht, das Hundi, das man ein anderes Mal knubbelt oder mit dem man schmust, in der jeweiligen Situation etwas härter an der Leine zurück zu holen. Kathi meinte jedoch, dass man solche Eigenarten unbedingt als unerwünscht klar stellen sollte, weil der Hund es sonst nicht nur nicht ablegt, sondern es sogar noch kultiviert. Es ist in der Tat nervig, wenn Duna im Geschirr hängt, nur weil auf der anderen Straßenseite ein anderer Hund läuft. Dann müssen wir eben noch beide lernen. Duna Benehmen, ich Klarheit und Konsequenz. Und auch ich etwas mehr Vertrauen in ihre Zuverlässigkeit.

Mehr Platz im neuen Bettchen

Mehr Platz im neuen Bettchen

Das neue Bettchen ist endlich angekommen, in dem sie sich nun lang ausstrecken kann. Hat sie auch sofort in Benutzung genommen. Damit ist ein Körbchen aussortiert. Diese wabbeligen Teile haben sich als wenig hilfreich erwiesen, vor allen Dingen für das richtige Schlafen in der Nacht.

Der Herbst hat nun endgültig Einzug gehalten, mit Regen und Wind, Dunkelheit schon am frühen Abend und wenig einladend selbst für kleinere Runden. Duna ist zunehmend unausgelastet, möchte eigentlich viel mehr unterwegs sein. Also wird am Abend schon mal getobt und ich kann hinterher erst einmal die Teppiche wieder sortieren. Dann werden Kämme, Schuhe und Gürtel durch die Gegend getragen. Zum Glück macht sie nichts kaputt oder zerkaut Sachen. Außer ihren Spielzeugen. Nach den späten Runden im Regen ist Abrubbeln mit einem Handtuch angesagt, was sie genießt. Witzig auch, wie sie auf der Treppe stehen bleibt und ein Pfötchen nach dem anderen zum Abputzen hebt. Duna lernt sehr schnell, wenn sie will, wenn nicht, bleibt sie stur. Danach ein Leckerli und wieder Trocknen und Aufwärmen im Warmen. Diese Zeit müssen wir halt durchstehen. Bis der Frühling wieder kommt.

Ein fauler Sonntagmorgen

Ein fauler Sonntagmorgen

Duna Auge ist fast wieder in Ordnung, die Risse im Lid sind noch nicht ganz geschlossen, aber das Auge ist nicht mehr gerötet. So konnte gestern testweise der Trichter wieder herunter. Da sie sich jetzt nicht mehr am Auge scheuert, konnte auf ihn verzichtet werden und ab Montag geht es wieder in die HuTa. Seitdem es nach den Augentropfen ein Leckerli gibt, lässt sie sich bereitwillig die Tropfen geben, erwartet danach aber sofort die Belohnung.

Das Wetter ist eher herbstlich, heute hat es immer wieder geregnet, aber wir fanden Lücken für unsere vier bis fünf Gänge am Tag. Zwar will ich es nicht beschwören, aber mit den häufigen Runden und einem nun synthetischen Teppich im Wohnzimmer hat es keine internen Pfützchen mehr gegeben. Überhaupt spielt es sich immer mehr ein, so dass ein Teil des früheren Alltags wieder zurück kehrt. Auch heute bin ich wieder zum Lesen gekommen, gestern haben wir zusammen die historischen Beiträge für November produziert. Mal abgesehen von einzelnen Anfällen, wenn sie ins Toben gerät und den Aufstand probt, ist sie eher berechenbarer geworden.

Mittagsschläfchen

Mittagsschläfchen

Eine neue Woche liegt vor uns, nun wieder für Duna mit drei Tagen bei Simone und so für mich mit drei warmen Mahlzeiten im Büro. Denn wegen der mittäglichen Runden in Laatzen musste für mich ein belegtes Brötchen oder Sandwich reichen. Dafür hat sich Duna inzwischen im Büro so weit eingelebt, dass ich im Haus meistens ohne Leine mit ihr unterwegs bin. Hoffentlich auch bald draußen bei den längeren Touren, damit sie mehr Zeit hat, eigene Erkundungen durchzuführen, und ich nicht dauernd herumstehe wie bestellt und nicht abgeholt. Dunas neues Hobby: Klopapier abwickeln.

Eine Rolle reicht mindestens bis ins Wohnzimmer

Eine Rolle reicht mindestens bis ins Wohnzimmer

Schon mal versucht, Klopapier aufzuwickeln?

Schon mal versucht, Klopapier aufzuwickeln?

Brauchen Hunde Abwechselung?

Hatte ich mir so gedacht. Duna sieht das anders. Während ich erst versuchte, im Dorf möglichst unterschiedliche Wege zu gehen, hat Duna darauf bestanden, möglichst immer die gleichen Wege zu gehen. Schafstallweg rauf, in den Sandförth bis zum Amselstieg, durch den Finkenweg bis zum Auerandweg und zurück. Das ist die vorletzte Tour am Abend, bevor es vor dem Zubettgehen noch eine kurze Version gibt. Da sie inzwischen die meisten Wege hier kennt, denkt sie sich selbst Touren aus. Nur im Nienhäger Wald mit seinen vielen Pfaden ist sie aufgeschmissen.

Brauchen Menschen Abwechselung? Können sie haben. So ein Hund hat so seine unterschiedlichen Seiten. Als Straßenhund verwertet man auch alte McDonalds-Packungen oder Brötchenreste aus der Straßenrinne. Während sie mich manchmal mit den endlosen Schnüffeleien in Mäuselöchern rasend macht, oder mich mit dem Tanz, weil dieses Kind oder jene junge Dame unbedingt und sofort begrüßt werden muss, auf die Palme bringt, kommen danach Momente, in denen ich doch lachen muss. Wenn sie zum Beispiel vom Teppich im Wohnzimmer den Stoffigel aufliest, ihn artig in ihren Korb mit den Spielsachen legt und sich stattdessen die Stoffmaus heraus holt. Oder das Ende des Toilettenpapiers ins Maul nimmt und es quer durch das ganze Badezimmer spannt. Auf der Treppe zur Wohnung liegt eine Gesichtsbürste und ein kleines Handtuch. Seitdem ich ihr gelegentlich beim Hereinkommen ins Haus die Pfoten sauber gemacht habe, bleibt sie nun immer auf der dritten Treppenstufe stehen und gibt mir nacheinander je eine Pfote zum Abputzen. Erst danach geht sie nach oben. Da muss man durch, durch diese vielen Seiten. Was nicht immer so leicht von der Hand geht.

Blöder Trichter

Blöder Trichter

Das Auge hat sich nun doch entzündet, weil Duna immer daran gekratzt hat. Also musste ein Trichter sein. Nun heilt die Wunde dank Augentropfen und Antibiotika zusehends. Es ist unglaublich, wie viel Laub und Eicheln Duna auf den täglichen Touren in diesem Trichter aufsammelt. Erstaunlich für mich war, dass sie sich schon nach wenigen Stunden an den Trichter gewöhnt hat und weiß, dass sie den Kopf etwas anheben muss, um aufs Sofa oder auf den Sessel zu springen. Mit dem Trichter kann sie aber nicht in die HuTa, also ist am Montag und Mittwoch Büro in Laatzen angesagt. Vielleicht ist der Trichter ab Donnerstag und dem Kontrolltermin bei Frau Doktor nicht mehr notwendig.

Heute hatten wir die erste Session mit Kathi, der Hundetrainerin bei Simone. Zuerst ging es um die Grundkommandos wie Sitz!, Platz! und den Rückruf. Sitz! geht schon sehr zuverlässig. Für Platz! hat mir Kathi noch einen Trick gezeigt, es dem Hund beizubiegen. Dabei merkte Kathi schnell, dass Duna doch verdammt clever ist und nur einmal darauf hereinfiel. Rückruf funktionierte mit Kathis Hilfe schon für den Anfang sehr gut, mein Rückruf war sogar wichtiger als ein Leckerli in Kathis Hand, was auf eine schon recht sichere Bindung hinweist. Am Nachmittag haben wir dann mit Langleine die Sache mal in Garßen in den Feldern geübt. Das ging bis auf ein Mal sehr gut, bei zwei Graureihern auf einem Feld mussten wir erwartet scheitern. Was heißt, dass Touren mit Freilauf nicht mehr sehr weit entfernt sind. Aber schon die gute halbe Stunde mit Kathi hat mir schon sehr geholfen, Duna besser zu verstehen und meine Erwartungen zu relativieren.

Nasser Hund nach der Mittagsrunde durch Laatzen

Nasser Hund nach der Mittagsrunde durch Laatzen

Tempus fugit

Vier Wochen ist Duna nun bei mir. Denke ich an die ersten Tage für uns beiden zurück, haben sich in der kurzen Zeit viele Dinge verändert, was ich nicht gedacht hätte. Inzwischen darf ich alleine aufs Klo gehen und duschen, Kathi nennt das ständige Hinterherlaufen Kontrollverhalten. Seit Duna die Straßen unserer Runden im Dorf kennt, wird nicht mehr an jeder Ecke endlos geschnüffelt, überhaupt ist es deutlich entspannter als vor drei Wochen. Die Leinenführung ist noch nicht ideal, aber schon mehr als akzeptabel. Duna scheint mich jetzt auch besser zu „verstehen“, akzeptiert meine Führung ohne großes Theater. Dazu ist sie deutlich ruhiger geworden, legt sich auch einmal in ihr Körbchen und schläft ein Stündchen, ohne dass ich daneben sitzen muss.

Für mich hat sich verändert, dass ich merke, wie ich eine innere Beziehung zu ihr aufbaue, sie mehr und mehr als selbstverständlich an meiner Seite habe. Sie wird zusehends Teil meines Alltages und meines Lebens. Ich muss zugeben, dass ich mich am Anfang manchmal überfordert gefühlt habe. Dahinter steht eine Art Perfektionismus, der Hund soll es so gut wie möglich haben und sich wohl fühlen. Allerdings habe ich einsehen müssen, dass Dunas Gewinn aus dem Zuhause bei mir ein ganz anderer ist als der, den ich zu sehen meine. Regelmäßiges Futter, Schutz, Streicheleinheiten, nicht zuletzt Führung, die sie entlastet und nicht einschränkt. Sicher habe ich gelesen, dass man menschliche Maßstäbe nicht auf den Hund übertragen soll, doch etwas zu lesen und es zu begreifen, sind zwei verschiedene Dinge. Kathi meinte heute Morgen, wir würden bestimmt ein gutes Team werden, weil schon nach so kurzer Zeit eine Beziehung zwischen Duna und mir sichtbar sei, nichts Selbstverständliches. Worum ich mich noch kümmern muss, ist eine Absicherung des Hundes, falls mir mal etwas passieren sollte, wie eine ernste Krankheit oder ein Unfall. Um solche Dinge macht man sich oft erst Gedanken, wenn es zu spät ist. Tatsächlich gehört auch das zur Verantwortung gegenüber einem Tier.